Gruppenphasen für Kenner, eine echte Berliner Story

Von: Timea Hiller

Die Theatergruppe „Einigermaßen Ansehnlich“ 

Sie wollen freizeittechnisch Theaterspielen. So denken zwölf Berliner Menschen im Sommer, jeder für sich. Der Wunsch führt sie zusammen. Sie treffen sich in einem kleinen Wilmersdorfer Studio mit Sarah und werden kreativ.

Sie legen los, mittwochabends. Studenten, Akademiker, Ehefrauen- und Männer, Lehrerinnen, Helfer. Alles das sind sie und mehr. Ab diesem einzigartigen Abend toppen sie das „Mehr“. Sie versammeln sich, zuerst stehend vor den großen Spiegeln. Später übend, laufend, miteinander agierend. Zwischendurch verschnaufen sie auf schmalen bunten Matten. Sie nähern sich an, mit Gummibärchen und Keksen. „Begegnet Euch als Fremde. Seid hochnäsig. Ignoriert Euch. Habt Mitleid“. Im Theaterspiel liegen wunderbare Möglichkeiten. Unvermeidlich wird aus dem „Mehr“, das sie jetzt schon sind „Vielmehr“.  Zum Beispiel: Mitspieler, Unterstützer, Freunde.

Nebenbei gehen sie durch diese Gruppenphasen. Nicht daran vorbei, sie müssen hindurch! Sie sprechen miteinander kurz darüber, doch meistens machen sie sich keine Gedanken deswegen. Die Phasen passieren. Keiner kann sagen, wann genau welche Phase stärker wird oder wer gerade welche Gruppenrolle inne hat. Wer freut sich wann über wen oder was? Wer verhandelt mit wem, wer engagiert sich wie stark wofür? Was kostet wen viel Kraft?

Das bekannteste Modell dafür liefert Bruce Tuckman. Er beschreibt die Phasen Forming, Storming, Norming, Performing und Adjourning.  

Viele Gedanken hängen im Übungsraum, vorübergehend auch schriftlich, kleben sie als Zettel an der Wand oder auf dem Fußboden, den sie mit bunten Socken betreten. Durch den Herbst und einen milden Berliner Winter hindurch erschaffen sie eine neue Gestalt, der sie selbst angehören.

Die Schneeglöckchen zeigen sich in Berlin, ohne Schnee gesehen zu haben und dann ist es soweit, im März. Alle zwölf Berliner Menschen führen „Alice im Wunderland“ auf. Auf der Bühne sind sie Bekannte, Zeugen, Schulmädchen, alte Hasen, eine ausgelassene Großfamilie. Vor allem sind sie gerade eins, eine starke Theatergruppe „Einigermaßen Ansehnlich“, Applaus, Applaus.

Fragen wir die Gruppe. Was sollte passieren und wie war es für uns?

Epilog: „Schöner Text, Timea.“

„Dankeschön Sarah.“