Der starke Wunsch des Schneiders von Ulm, reichte er zum Glück?

Von: Timea Hiller

Albrecht Ludwig Berblinger (lebte von 24.6.1770 bis 28.01.1819) war gerade 13, als sein Vater starb. Er kam ins Waisenhaus, wo er gezwungen wurde, eine Schneiderlehre zu beginnen, obwohl er lieber Uhrmacher geworden wäre. Er wurde Schneidermeister, aber sein eigentliches Interesse galt der Mechanik. Er war auch Erfinder und entwickelte u.a. Beinprothesen. Bis in die heutige Zeit bilden Berblingers Entwicklungen die Grundlage der Prothesenherstellung. Seine bekannteste Erfindung ist ein Hängegleiter. Jahrelang baute und verbesserte er seinen Flugapparat und beobachtete den Flug von Eulen.

Die Leute spotteten über ihn. Man drohte damit, ihn aus der Zunft zu werfen und ließ ihn eine hohe Strafe zahlen für sein Werken außerhalb der Zunft. TROTZDEM baute er, unter Einsatz seiner gesamten Einnahmen, weiterhin an seinem Fluggerät.

1811  startet er eine riskante öffentliche Vorführung. Zahlreiche Zuschauer und auch Herzog Heinrich drängten ihn an jenem Tag, endlich mit seiner Vorführung zu beginnen.  Berblinger konnte die erforderliche Anfangsgeschwindigkeit für den Gleitflug nicht erreichen. Die Fallwinde und der Start mit Rückenwind bescherten dem Traum vom Fliegen ein jähes Ende. Bereitstehende Fischer retteten ihn nach dem Absturz unter dem Gejohle der vielen Zuschauer aus den Fluten der Donau.

Verarmt stirbt er 1829.

1986 wurde an einem Ulmer Berghang bewiesen, dass Berblingers Fluggerät grundsätzlich flugfähig war. Ein Nachbau des Flugapparats ist im Treppenhaus des Ulmer Rathauses zu sehen. Die ersten Gleitflüge der Geschichte waren dem Schneider jedoch geglückt. Bis zu einer Rehabilitierung vergingen 80 Jahre. Dann sollte Otto Lilienthal den Hängegleiter wiederentdecken.

Erst spät schloss die Stadt Ulm Frieden mit ihrem so lange ungeliebten Sohn. Seit 1988 wird der Berblinger-Preis für innovative Ideen in der Luftfahrt ausgelobt.

Fazit: Der Erfolg stellte sich ein!

Quellen: Dtsch Arztebl 2011; 108(24): A-1384 / B-1162 / C-1162, Ulrich Traub und Wikipedia, Bild: Pixabay, frei verwendbar