Fliegende Eulen inspirieren den Schneider von Ulm – Albrecht Ludwig Berblinger

Der Schneider von Ulm, welchen Wunsch verfolgt er? Woran nimmt er sich ein Beispiel? 

Albrecht Ludwig Berblinger (lebte von 24.6.1770 bis 28.01.1829) ist gerade 13, als sein Vater stirbt. Er kommt ins Waisenhaus, wo er gezwungen wird, eine Schneiderlehre zu beginnen, obwohl er lieber Uhrmacher geworden wäre. Er wird Schneidermeister. Sein eigentliches Interesse gilt der Mechanik. Er ist auch Erfinder und entwickelt u.a. Beinprothesen. Bis in die heutige Zeit bilden Berblingers Entwicklungen die Grundlage der Prothesenherstellung. Seine bekannteste Erfindung ist ein Hängegleiter. Jahrelang baut und verbessert er seinen Flugapparat. Er beobachtet den Flug von Eulen. Die Leute spotten über ihn. Man droht damit, ihn aus der Zunft zu werfen und lässt ihn eine hohe Strafe zahlen für sein Werken außerhalb der Zunft. TROTZDEM baut er, unter Einsatz seiner gesamten Einnahmen, weiterhin an seinem Fluggerät. 1811  startet er eine riskante öffentliche Vorführung. Zahlreiche Zuschauer und auch Herzog Heinrich drängen ihn an jenem Tag, endlich mit seiner Vorführung zu beginnen.  Berblinger kann die erforderliche Anfangsgeschwindigkeit für den Gleitflug nicht erreichen. Die Fallwinde und der Start mit Rückenwind bescheren dem Traum vom Fliegen ein jähes Ende. Bereitstehende Fischer retten ihn nach dem Absturz unter dem Gejohle der vielen Zuschauer aus den Fluten der Donau. Verarmt stirbt er 1829.

1986 wird an einem Ulmer Berghang bewiesen, dass Berblingers Fluggerät grundsätzlich flugfähig war. Ein Nachbau des Flugapparats ist im Treppenhaus des Ulmer Rathauses zu sehen. Die ersten Gleitflüge der Geschichte sind dem Schneider jedoch geglückt. Bis zu einer Rehabilitierung vergehen 80 Jahre. Dann wird Otto Lilienthal den Hängegleiter wiederentdecken. Erst spät schließt die Stadt Ulm Frieden mit ihrem so lange ungeliebten Sohn. Seit 1988 wird der Berblinger-Preis für innovative Ideen in der Luftfahrt ausgelobt.

Quellen: Dtsch Arztebl 2011; 108(24): A-1384 / B-1162 / C-1162, Ulrich Traub, Wikipedia